Was erwartet dich?

Lucia und ihr Wahnsinn im Speziellen und natürlich Rossi, der Freund der Wahnsinnigen, eine wilde Zeit und warum das alles nicht funktionierte. Lockere und humorvolle Prosa, die sich liest wie Knisterbrause in den 90ern schmeckte.

Wer steht auf den Stoff?

Dieser Roman richtet sich an Freibeuter, Unangepasste, Revolutionäre, Visionäre, Phantasten und Hippies. Also diejenigen, die spielerisch ihre Jugend verschenken. An eben solche Leute, die auch unter der Woche in ihrer Lieblingskneipe vorbeischauen, um gemütlich drei oder vier Bier zu trinken und nebenbei eine Schachtel Luckies wegqualmen. Genau die, die mit ihren Freunden schön einen durchziehen und am Wochenende alle Hemmungen fallen lassen, damit es mal wieder richtig kracht. Für die, die nicht Nein sagen und für die, die kein Morgen kennen. Für die, die eben nicht anklopfen, sondern gleich die Türe eintreten. So ein Buch ist das!

Der Klappentext:

Sex, Drogen und die ewige Liebe, in Verbindung mit der alles vernichtenden Realität. Unterhaltsam und mit unverwüstlichem Optimismus erzählt Terence Horn die Geschichte eines smarten, aber auch unreifen Träumers, der sich in ein durchgeknalltes Mädchen verliebt. Ein buntes Sammelsurium aus naivem Aufbegehren, einer unbefriedigten Sehnsucht nach Freiheit und der Unwissenheit, dass das wirkliche Leben woanders stattfindet.

Eine Leseprobe:

Staatsdiener Rindfleisch, der Typ hieß wirklich so, erklärte mir alles.
„Herr Rossi, wir überantworten Ihnen den gesamten Post Ein- und Ausgang! Alle Steuererklärungen, der gesamte Schriftverkehr, Urkunden, Bescheide … Alles was rein oder raus geht, läuft durch ihre Hände!“
Wie der Typ das sagte: Ihre Hände. Dabei stierte er mich an, als ob er die Zehn Gebote an Sid Vicious von den Sex Pistols überreicht. Ich wollte nicht gleich frech werden, also schaute ich andächtig auf meine Hände. Mir fiel aber nichts auf, dieselben Hände wie immer. Ich wusste gar nicht warum, aber ich wollte ihn von meiner Zuversicht überzeugen: „Herr Rindfleisch, Sie können sich voll und ganz auf mich verlassen. Der Posteingang und Postausgang ist bei mir in allerbesten Händen.“
Als Beweis hielt ich ihm diese gesegneten Hände vors Gesicht und schaute dabei ein wenig aus, wie ein junger, noch unschuldiger Pontius Pilatus. Herr Rindfleisch musterte mich skeptisch, von oben herab, dies entsprach seinem Naturell. Es war ihm anzusehen, dass er weiterhin zweifelte, ob er die Zukunft des Abendlandes einem Unwürdigen wie mir in die Hände legt.

„Herr Rossi, immer! Ich betone, immer schön ordentlich und der Reihe nach, dann passieren keine Fehler! Vormittags der Posteingang und am Nachmittag der Postausgang. Kein Grund zur Aufregung! Wenn Sie nicht rumtrödeln, können Sie die Arbeit schaffen und falls Fragen aufkommen, wissen Sie ja, wo Sie mich finden.“

Ein kurzes Nicken meinerseits stellte Herrn Rindfleisch nicht wirklich zufrieden, obwohl ich sicher sein konnte, Herr Rindfleisch war niemals in seinem Leben auch nur annähernd, so etwas wie zufrieden. Um sieben war Arbeitsbeginn, danach wurde ich einigen Leuten vorgestellt und um neun begann die Frühstückspause, auf die ich mich echt freute, aber zum Quatschen kam ich nicht. In meinem Alter entdeckte ich niemanden, hockte alleine rum und trank Kaffee bis Herr Rindfleisch kam.

Dreimal in die Hände geklatscht, machte ich mich eifrig an die Arbeit. Der Posteingang ging mir soweit gut von der Hand. Briefe öffnen, checken was Sache ist, ab in den dafür vorgesehenen Ordner. Nach einer halben Stunde war ich fertig und saß nutzlos in dem kleinen Zimmer, das extra für Posteingang und Postausgang eingerichtet wurde. Ein leblos stinkender Raum, gefüllt mit unendlicher Leere und Sinnlosigkeit. Langeweile durchdrang mich. Ich spürte die Jahrzehnte der Verzweiflung, die auf diesen sechs Quadratmetern lasteten, in jeder einzelnen unerträglichen Minute. Eine Stunde später schlich bereits der Tod durch meinen Körper. Ich war mir sicher, ich sterbe. Allein um zu überleben, sortierte ich diesen unnützen Dreck (es gibt kein anderes Wort dafür) drei Mal und war erleichtert, als mich die Mittagspause rettete.

Döner gestärkt ging ich wieder frisch ans Werk. Ich war gespannt auf den Postausgang und starrte erwartungsvoll in Richtung geschlossene Tür. Ich warte und warte, dass jemand reinkommt, um unliebsame Unterlagen zu bringen, die ich dann verschicken könnte. Das mich jemand anschnauzt, vielleicht auspeitscht, irgendwas in der Art. Letztlich freute ich mich sogar über Herrn Rindfleisch, der mich zu einer Versammlung im großen Sitzungssaal abholte. Das ganze Amt legte die nicht vorhandene Arbeit nieder. Aus allen Gängen kamen sie gekrochen und gierten nach Abwechslung, taten aber so, als hole man sie aus dem Urlaub ihres Lebens.

Die Ohren auf Empfang gestellt, lauschten die fleißigen Ameisen, was der große Mann zu berichten hatte. Musste irre wichtig sein. Der komplette Betrieb stand stramm und nachdem auch der Letzte eintraf, legte der Amtsleiter los. Freudestrahlend begrüßte Herr Bayerlein seine Untergebenen, strahlte Zuversicht aus und erzählte, wahrscheinlich zur Auflockerung, einen Witz. Ich nahm zumindest an, dass es einer werden sollte. Ein oder zwei Kollegen lachten tatsächlich, der Rest glotze einfach nur ein wenig beschränkter als sonst. Eine restlos peinliche Situation, die als völlig normal hingenommen wurde. Der Amtsleiter räusperte sich, strich gefühlvoll über seinen Schnurbart und hielt eine Ansprache wegen einem neuen Formular, welches mit einem anderen Formular angefordert werden konnte. Damit man, keine Ahnung, was bekam oder irgendjemand was tat. Ich konnte das nicht so genau durchschauen, aber mein erster Gedanke war: Warum brauchen die Leute ein Formular, um ein zweites Formular anzufordern?

„Entschuldigen Sie, Herr Amtsleiter!“ rief ich in die Runde, möglicherweise etwas forsch. Und das war’s dann auch, vier Worte bis zum Galgen. Der Hausmeister rannte sofort los, wahrscheinlich um einen Strick zu holen. Ich sah es in ihren Augen, ein morddürstender Mob, der zum Töten bereit war. Was für Fressen, ich verstand sie einfach nicht. Am meisten nervte mich Herr Rindfleisch. Dieser Judas stand direkt neben mir und sprang sofort, wie von einem gefährlichen Tier bedroht, drei Schritte beiseite, als ich mich meldete. Sein Kopf wurde knallrot vor lauter Scham, weil er es war, der mich anschleppte. Der Rest gierte nach einem Zeichen, ein Befehl mich zu zerfleischen. Damit sie mich entsorgen können, im Keller, unter dem Posteingang von 1973. Einzig der Amtsleiter gewann seinem Erstaunen ein mildtätiges Grinsen ab, was seine ohnehin schon entstellte Fresse gänzlich überforderte.

„Ja, bitte! Der junge Mann.“ sprach er mich an, mit so einem entleerten Ausdruck, der mich echt wütend machte. Hätte ich einen Revolver gehabt, ich hätte die Waffe zogen und ihn aus nächster Nähe von seinem Elend erlöst. In Notwehr, versteht sich.
„Warum braucht man Formular A, um Formular B anzufordern? Wo liegt der Sinn?“ fragte ich, mal ganz naiv.
Wumms! Frau, keine Ahnung, hat’s die Schuhe weggezogen. Bewusstlos lag sie rum, ansonsten herrschte Stille im Raum, niemand atmete oder tat irgendwas. Totaler Schockzustand. Als der Hausmeister ohne Strick zurückkam, dachte ich, dann werden sie mich halt kreuzigen. In jedem Zimmer hing so ein halbnackter Kandidat an der Wand, der in gleicher Weise das Maul aufmachte und sagte, was er dachte, der Konsequenzen bewusst. Vorerst aber wiederholte der Amtsleiter andächtig meine Worte: „Wo liegt der Sinn?“

Die Wirkung dieser Frage ließ nicht lange auf sich warten. Mein lieber Scholli, ganz neue Zeiten brachen an. Viele der Anwesenden erwachten aus einem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf, blickten erstaunt umher, als ob sie eben erst auf die Welt plumpsten. Andere schauten verlegen aus dem Fenster, als sei nichts passiert. Diese armen Teufel liefen durchweg auf Standby, unfähig zu denken oder gar zu fühlen. Herr Rindfleisch bekam einen epileptischen Anfall. Sauber! Das hat mich echt gefreut. Geschah ihm ganz recht, wie er zuckend auf dem Boden lag. Ein schleimiger Aal, der sich auf dem Trockenen windet, ohne Aussicht auf den rettenden Fluss. In Strömen lief weißer Sabber aus seinem Maul.

Den Herrn Rindfleisch hatte es ordentlich zerlegt, aber was mir am besten gefiel, keiner half ihm. Frau Salzkammer, meine Abteilungsleiterin, kreischte in den höchsten Tönen. Diese kleine, etwas pummelige Frau stand da und wippte von einem Fuß auf den anderen. Total abgeschossen, bis sie schreiend aus dem Zimmer rannte.
„Das ist alles meine Schuld! Das ist alles meine Schuld!“ schrie sie und knallte gegen den Türpfosten, als sie den am Boden liegenden Herrn Rindfleisch übersah.
„Wo liegt der Sinn?“ Kein Staatsdiener bekam diese Frage jemals gestellt und dennoch hofften viele, tief in ihrem Unterbewusstsein, eines Tages möge ein Messias kommen. Der Eine, der das Unsagbare ausspricht. Der der die Wahrheit einführt. An diesem Tag war es geschehen – ich hatte es getan. Keiner, auch nicht der Amtsleiter, wusste eine Antwort. Ich musste also selbst etwas tun, wusste aber nicht genau was. Bedrückende Minuten des Schweigens vergingen, dann hörte ich auf mein Herz.
„Ruhig Leute, ganz ruhig! Alles hat seinen Sinn. Sonst würden wir doch erst gar nicht zur Arbeit gehen. Oder?“

Ängstliche Blicke schwirrten umher, keiner traute sich dem anderen in die Augen zu schauen. Die Leute nahmen Abstand voneinander. Es war wirklich so, diese eingeschüchterten Bürokraten standen mit dem Rücken zur Wand. Es war vorbei! Die Hoffnung gab auf, verließ den Raum und zog die Tür leise hinter sich zu. Meine Kameraden waren bereit für das letzte Kommando, die alles entscheidende Salve. Der finale, lang ersehnte Gnadenschuss sollte sie erlösen, doch genau da, in der dunkelsten Stunde, erkannte der Amtsleiter seine Chance.



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